Von Casteletto nach Torri (?)

Montag, 28.09.15

Gestern haben wir hier am Gardasee wieder mal eine Wanderung gemacht.

Einige von euch werden unsere (Schauer-) Geschichten von den letzten Versuchen ja noch in Erinnerung haben, falls nicht, könnte es sein, dass wir ein paar davon hier auch nochmal hinterlegen…

Ideengeber für den Ausflug waren Herr Lutz und Frau Malecha auf Planetoutdoor.de, vielen Dank dafür an dieser Stelle!

Tatsächlich ist und bleibt es wohl so, dass hier am Gardasee ein wenig Erfahrung beim Wandern immer mit im Spiel sein sollte. Der beschriebene Weg ist teilweise doch anspruchsvoll (mindestens für Hobbywanderer wie uns), denn einige Abschnitte bedingen schon gutes Schuhwerk sowie Kondition.
An anderen Stellen ist auch ein wenig Mut und Orientierungssinn vonnöten – die Beschilderung ist eben eher rudimentär gehalten.

Um 13.46 Uhr nehmen wir den Bus von Torri in Richtung Malcesine – nicht ohne vorher beim „Tabacho“ entsprechende Fahrkarte gekauft zu haben. 2 EUR/Nase finden wir fair, auch wenn es nur ca. 10 km Strecke nach Casteletto sind.

Wir landen um 14.00 Uhr in Casteletto. Laut Bericht wird die Wanderung ca. 3h dauern, so dass wir zum Abendessen wieder in Torri sein werden.

Die erste Herausforderung erwartet uns schon in „Biaza“ direkt oberhalb von Casteletto: Ein Wegweiser nach „Pai“ (oder im „Ausschlussverfahren“ nach Prada) ist dort nicht wirklich zu finden. Laut Wanderbericht geht es aber vorbei an einem Köhlerofen und tatsächlich finden wir einen entsprechenden Wegweiser: „2 calchere, 20 Min.“. Nachdem wir der Beschilderung folgen erwartet uns aber bereits nach 25 Metern eine unbeschilderte Kreuzung. Klar ist wenigstens: Wir müssen „hoch“- nur ob links oder rechts herum, ist uns nun nicht klar. Also „fifty-fifty“: Wir entscheiden uns für den Weg rechts und kommen nach 20 Minuten an den angekündigten Köhlerofen an…

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… nicht! Stattdessen geht es steil bergan an einem eingezäunten Landschaftsschutzgebiet vorbei, wo wir einen älteren Italiener treffen, der Alpenveilchen sammelt und an einem Wacholderstrauch sägt: „Mache faier! gudd por carne – aroma…“. Zu dem Zeitpunkt haben wir die Köhlerofen bereits abgeschrieben. Wenigstens stimmt die Richtung, in der der Weg verläuft (Pai liegt südlich, der Orientierungssinn hilft eben 🙂 ).
Knapp 20 Minuten später (also nach 45 Minuten ab Biaza) kommen wir an einem alten Gemäuer vorbei, das sich dann doch noch als Köhlerofen entpuppt – erstaunlich. Kirschbäume – wie im Wanderbericht beschrieben – haben wir aber keine gesehen…

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Nur 15 Minuten später kommen wir an den Abzweig mit den gepflasterten Lochsteinen. Wir wundern uns, warum der Weg in dieser Form befestigt ist. Ein Auto wird dort wohl nicht fahren, nehme ich an. Der anschließende gut begehbare Wanderweg führt fast horizontal an Terassen und Kellern vorbei zu dem verlassenen Haus. Wir hatten gehofft, den „einmaligen“ Balkon als Rastplatz verwenden zu können, das ist uns aber etwas ungeheuer: Die Bausubstanz hat über die Jahre tatsächlich gelitten, Geländer ist keins mehr an dem Balkon und vor dem Balkon geht es ein paar hundert Meter in die Tiefe.

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Stattdessen laufen wir weiter und kommen schlussendlich zu dem neu errichteten „Anwesen mit großer Terasse und atemberaubenden Blick“. Hier legen wir eine kleine Pause ein.

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Zeit, die bisher gelaufene Strecke Revue passieren zu lassen: Mein Handy meldet 475 Meter Höhe („+/-“ natürlich, so genau kann das gar nicht sein).
Laut Wikipedia hat der Gardasee einen Wasserspiegel von 65m. Die von der aktuellen Höhe abgezogen zeigt uns, dass wir bereits 410 Höhenmeter gemacht haben – netto, wohlgemerkt. Das ist doch bereits etwas mehr als im Artikel für die gesamte Strecke angegeben (250-350m). Außerdem ist es bereits 15.40 Uhr – nach Bericht hätten wir um diese Uhrzeit schon wieder „unten“ in Pai einen Kaffee trinken sollen. Erstaunlich…

Nach Stärkung geht es nun bergab – aus meiner Sicht teils „halsbrecherisch“. Geschlossene Kleidung ist ein Muss, denn der (wie angekündigt) stark zugewachsene Weg ist genau das: Neben diversen Ästen und Sträuchern nebst Getier, das darauf sitzt, finden sich hier auch Brombeerranken, die sich teils erstaunlich „geschickt“ tarnen.

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Was im Bericht in zwei Sätzen abgehandelt ist, dauert tatsächlich gut 1 Stunde: Der „wirr“ durch den Wald verlaufende Weg erwartet uns schon hier und nicht erst im nächsten Abschnitt und zwingt uns zeitweise zu Klettereinlagen. Bergauf wäre das gut zu machen, aber bergab ist es dann eben doch schwieriger. Vorbei an einigen Felsplateaus (mit teils schönem Blick auf den See) geht es immer weiter nach unten; Wald und Fels wechseln sich ab.

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Entlang einer Schlucht kommen wir zu zwei riesigen Kakteen (Aloe Vera?), danach geht es noch ein Stück durch den Wald, bis wir auf einer Wiesenterasse landen, an der die beschriebene Teerstraße vorbeiführt. Der benannte „Schubkarren“ hat uns leider nirgends gegrüßt (oder wir haben es übersehen). Dafür ist der Weg von der Wiese zur Straße auch in Flip-Flops und mit Kinderwagen kein Problem – das entlastet uns ein wenig. Zeit, an dem Rastplatz halt zu machen und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen: 16.37 Uhr. Das Grundstück ist Privateigentum, es wird höflich um Sauberkeit und Ordnung gebeten, und das scheint bisher auch erfreulicherweise geklappt zu haben. Sehr liebevoll ist ein daneben liegender Stein, in dem sich jemand die Mühe gemacht hat, den Gardasee inkl. Ortsnamen abzubilden.

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Laut Wanderbericht geht man nun die Straße entlang nach Pai – die führt allerdings bergauf, das wundert uns ein wenig. An der zweiten Kehre der Straße erwartet uns ein Schild – „Privatgelände, betreten verboten“ steht dort in goldenen Lettern. Also müssen wir wohl zurück in Richtung Rastplatz. Da geht es zwar bergab, aber in Richtung Norden, das passt eigentlich auch nicht.

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In der Kehre sehen wir einen Zaun und dahinter einen Schotterpfad. Bei genauerer Studie der Umgebung findet sich auf einem Torpfosten eine Wandermarkierung und in drei Lettern: „Pai“. Ah! Gut, damit hätten wir jetzt nicht gerechnet. Aber wer aufmerksam ist, dem hilft der Herr, oder wie das heißt. Also durch die verriegelte Tür und weiter geht die Reise. Der Weg ist dort eigentlich nicht schlecht und führt am Ende nach „Ca‘ Tronconi“ – ein Ortsteil von Pai. 17.00 Uhr. Wir fühlen uns ein bisschen an Santorini erinnert: Der Blick auf den See ähnelt dem auf die Caldera und die Terassen/Pools sind entsprechend ausgerichtet. Außerdem sind hier sehr viele Blumen zu sehen (die wir hier aber erstmal nicht alle abbilden).

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Nachdem es hier auch für Autos nicht weiter hinauf geht, sind wir sicher, dass wir auf der Fahrstraße nach Pai hinunterkommen. Wir erreichen nur eine halbe Stunde später die Piazza von Pai und genehmigen uns ein Bier. Es ist bereits 17.30 Uhr und wir sind nun nach 3,5 Stunden da, wo wir laut Bericht nach 1,75 Stunden hätten sein sollen.

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Vor uns liegen noch 1,25 „Berichtsstunden“. Von der bisherigen Erfahrung ausgehend müssen wir also noch mindestens 2,5 Stunden Wanderung einkalkulieren. Langsam geht allerdings bereits die Sonne unter. Wir entschließen uns, die Wanderung hier unten an der „via Gardesana“ zu beenden und in den Bus nach Torri zu steigen. Genug für heute. Den zweiten Teil der Wanderung gehen wir ein andermal an.

Wir kommen zufällig pünktlich um 18.01 Uhr an einer Bushaltestelle an, wo bereits ein anderes Pärchen auf den Bus (von um 17.56 Uhr) wartet. 10 Minuten später fährt ein Radler an uns vorbei und ruft etwas von „grande accidente“: Vor/in Pai hat es wohl „gekracht“ und es kommt kein Fahrzeug mehr durch – also auch kein Bus. Wir warten und warten, und warten und warten… Es fahren zwei Krankenwagen in Richtung Pai an uns vorbei, danach ein Abschleppwagen.

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Derweil schießt meine Liebste Foto um Foto vom tollen Sonnenuntergang, den wir hier aus einer „neuen“ Perspektive sehen können. Tatü-tata, die Krankenwagen fahren mit lautem Getöse an uns zurück in Richtung Krankenhaus. Als ich nach einer Dreiviertelstunde beginne, eine SMS zu schreiben, um einen Freund aus dem Campingplatz um unsere Rückholung zu bitten (weil selbst ich die Hoffnung auf einen Bus mittlerweile verloren habe), kommt schlussendlich doch noch einer vorbei und sammelt uns ein.
Schließlich landen wir nach 19.00 Uhr in Torri, haben wieder einen erlebnisreichen Tag hinter uns…
… und wieder was zu erzählen… 😉

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1 Kommentar

  1. Was für einen spannenden Urlaub Ihr doch hattet‼️
    Und was sind das für unzuverlässige Freunde, die Euch da verpasst haben!!!!
    Tz tz tz…?

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