Baloc tacà via

Freitag, 25.09.15

Auf die Idee hat uns ein Campinggast gebracht: Am vergangenen Abend hat dieser von einer recht unentdeckten Wanderroute erzählt, die er gemeinsam mit seiner Frau an diesem Tag gemacht hat. An einer Kletterstelle sind die beiden dann allerdings gescheitert (2,5m hohe Mauer). Das interessiert uns dann natürlich besonders. 🙂
Scheinbar ist der Ort tatsächlich in kaum einem Wanderführer erwähnt. Eine Recherche im Internet wird allerdings fündig: Die Idee und Route haben wir übernommen von 360gardalife.

Wir starten hier am Campingplatz gegen 12.00 Uhr und fahren nach Brenzone/Sommavilla. Der Parkplatz an der Kreuzung oben ist gut zu erreichen, auch wenn wir uns erstmal nicht ganz sicher sind, ob wir richtig sind. Nach einem kurzen Ausflug nach links und nach rechts finden wir allerdings den Einstieg in den Wanderweg.
Der Parkplatz kostet 1,20 EUR/Stunde; laut Bericht dauert der Aufstieg ca. 40 Minuten; wir rechnen großzügig mit einer Stunde plus eine zusätzliche für den Abstieg plus ein wenig Pause und werfen dann 3 EUR ein.

Der Einstieg ist gut gekennzeichnet, es findet sich ein laminiertes DIN A4 Blatt mit einem Pfeil und der Wegbezeichnung. Scheint nichts „Offizielles“ zu sein. Der erste Teil geht weniger wie beschrieben „durch die Felder“ als eher „durch die Oliven-Haine“. Der steinige Untergrund erfordert schon hier festes Schuhwerk, sonst wird es unangenehm. Am Wegesrand finden sich viele Bienen, die die letzten Blüten der Hecken abernten.

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Erster Scheidepunkt ist ein Gabelung. Auch hier findet sich ein laminiertes Blatt Papier mit dem Pfeil und wir gehen nach links in die Schlucht hinunter. Festes Schuhwerk ist nun ein absolutes Muss, denn der Boden ist recht locker, zuweilen sogar sandig und dann wieder steinig. Unten angekommen stehen wir vor einer Mauer mit ca. 1,8m Höhe. Ein Pfad führt links vorbei, danach beginnt der Weg durch das Flussbett. Auf der rechten Hangkante oben steht eine junge Frau, wir wundern uns, ob dort oben ein weiterer Weg verläuft.

Die nächsten paar hundert Meter erinnern uns ein wenig an Lara Croft oder Indiana Jones, die Richtung (flussaufwärts) ist klar, aber der Weg nicht immer. Die beste Alternative scheint uns, wo möglich, die bewachsenen Hänge zu sein.
Endlich kommen wir zu der Mauer, an der die Kollegen am Vortag gescheitert sind. Tatsächlich sind das 2,5m, und auf der rechten Ecke finden sich ein paar Steigeisen. Besonders beeindruckt uns der Holzscheit, den ein aufmerksamer Wanderer mit ein paar Steinen in der Mauer eingekeilt hat, um den Aufstieg zu erleichtern.

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Nachdem dieses Hindernis überwunden ist (wir fürchten uns schon vor dem unumgänglichen Abstieg später), wird’s „wild“: Das Flussbett wird immer unwegsamer, wir müssen anfangen, zu klettern. Alleine ist das vermutlich wirklich schwierig zu erreichen, wir tauschen uns immer wieder aus über die beste Route.
Nach einem weiteren Kilometer (?) gelangen wir schließlich über einige Felsbrocken hinweg zu dem „Baloc tacà“. Beeindruckend: Hier sind einfach große Felsen in die Schlucht gefallen (soweit wir sehen können, sind es zwei) und hängengeblieben. Wenn man so darunter steht, hat man wirklich Angst, das ein Windstoß oder ähnliches den Fels runterstoßen könnte. Dann wäre das wirklich wie bei „Lara Croft“ oder „Indiana Jones“ und wir müssten rennen oder uns eng an die Wand drücken. :/

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Bis hierhin ist tatsächlich erst eine runde halbe Stunde vergangen, der Aufstieg hat uns aber doch ein bisschen mitgenommen und wir machen eine Pause. Wir entdecken rechts neben dem unteren Fels ein Seil in ca. 2m Höhe sowie einige Steigeisen, die in den Stein getrieben sind. Der Blick nach oben zeigt uns einen gewaltigen Überhang sowie weit oben den Punkt, an dem die Steine heruntergerollt kamen. Augenscheinlich nehmen ganz Wagemutige diesen Weg nun aufwärts aus der Schlucht hinaus. Wir entscheiden uns aber für den bereits bekannten Weg, um die Schlucht zu verlassen.

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Bis hin zu der erwähnten Mauer schlagen wir uns durch – nicht immer auf dem gleichen Weg, wie hinauf. Bergrunter ist eben immer noch etwas anderes. Der Untergrund ist teils rutschig, leicht feucht, daher müssen wir auf sicheren Tritt achten. Sollte ein Fuß zwischen zwei Steinen einklemmt werden, sind die Aussichten auf einen Krankenwagen hier oben nicht gerade rosig.

Der Abstieg über die Mauer ist gar nicht so schwer, dennoch gehe ich als erstes, um meine Liebsten anschließend von unten in die entsprechenden Tritte zu dirigieren. Weiter bergab, bis zur zweiten Mauer. Dann packt „uns“ das Fieber. Nachdem wir auf dem Hinweg dort oben bereits die junge Dame gesehen hatten, und der Rückweg auf demselben Pfad recht langweilig erscheint, übernimmt meine bessere Hälfte die Führung und erklimmt wagemutig die fast senkrechte Wand. Wurzelwerk und einzelne Steine und Felsspalte dienen ihr zu Stütze, mir wird Angst und bange: Rauf ist ja die eine Sache, was aber, wenn es dort oben nicht weiter geht und wir wieder zurück müssen?? Von oben ertönt der Ruf „hier ist ein Trampelpfad!“, also muss ich es wohl auch wagen.

Eine Sache, als (trainierte) Frau ohne Rucksack da hoch zu steigen; eine andere, das als Mann in Kenntnis der bereits von ihr getesteten Grenzbereiche am Hang zu tun. Beim Aufstieg hänge ich mehrfach „in den Seilen“ und muss mich an den Felsen entlang drücken – immer auf der Suche nach einem festen Tritt (der auf der lockeren Erde am Hang fast nie zu finden ist). Ab ca. der Mitte steige ich auf „alle Viere“ um. Das geht deutlich besser. Oben angekommen bin ich ziemlich sauer, weil ich die Aktion reichlich unvernünftig fand. Der Trampelpfad führt zu einer terassierten Wiese, auf der wir dann ausharren und die Sonne auf uns scheinen lassen.

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Der Blick über den See entschädigt etwas für die Strapazen der letzten 20 Minuten. Der weitere Weg führt uns an die Kreuzung, die wir auf dem Hinweg nach links verlassen haben. Von hier aus geht es nun bergab durch einen Hohlweg, in dem wir wieder die Bienen sehen, die immer noch hungrig sind.

Beim Auto angekommen wird sich erst einmal ein bisschen gestärkt. Es sind noch genau 8 Minuten auf der Parkuhr – Punktlandung (endlich mal eine 🙂 ).

Wir haben geplant, uns in Brenzone mit einem Freund zu treffen, der mit dem Fahrrad unterwegs ist. Daher suchen wir dort nach einem Kaffee und finden prompt auch eins, das uns sehr zusagt: Direkt an der Strandpromenade „bestes Haus am Platz“ neben dem Hotel Brenzone befindet sich die Gelateria „Azzura“, in der wir uns einen oder zwei Erfrischungen genehmigen.

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Leider klappt das Zusammentreffen mit unserem Freund nun doch nicht – augenscheinlich haben wir uns „verpasst“; daher verweilen wir noch ein bisschen in „Margugnano di Brenzone“ und werfen noch einen Euro in die Parkuhr ein.

Wieder mal ein schöner Tag hinter uns…
… und wieder was zu erzählen. 😉

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